Forschungsstelle Jeremias Gotthelf

Editionsprojekt

Die neue Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Jeremias Gotthelf (HKG) verfolgt das Ziel, die Werke Gotthelfs in einer neuen Edition insgesamt wieder zugänglich zu machen. Die Texte von Jeremias Gotthelf werden textphilologisch sorgfältig aufgearbeitet und umfassend kommentiert. Bereits seit 2012 erscheint die neue Edition als eine akademische Buchedition. Ab 2020 soll parallel die Digitale Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Jeremias Gotthelf (DHKG) erscheinen, an deren Voraussetzungen seit 2012 gearbeitet wird.

Kommentar

Für die Neuedition stellt sich sehr rasch ein Vermittlungsproblem für die Texte ein: Die zahllosen politisch-historischen Anspielungen, der konfessionelle Hintergrund der Texte und ihre sprachliche Gestaltung bieten Hürden, die sich besonders bei der Verbreitung der Texte in Schulen oder im deutschsprachigen Ausland bemerkbar machen. Aus diesem Grund ist es erforderlich, die Texte in ihrem zeitgeschichtlichen Zusammenhang zu kommentieren. Eine solche kommentierte Ausgabe kann künftig auch die Basis für nachfolgende Leseausgaben bilden, wie sie auch im Schulunterricht einzusetzen wären. Sie beschränkt sich freilich nicht auf die Vermittlung der Texte; vielmehr werden Gotthelfs Texte erst dadurch wieder in ihren ursprünglichen Kontexten erkennbar, wenn sie in ihrer ursprünglichen kommentarfunktion gegenüber Zeitentwicklungen gelesen werden können – heutigen Leserinnen und Lesern, besonders auch der historischen und literarhistorischen Forschung werden sie so zu Fenstern in die Zeit von restauration, Regeneration und frühem Bundesstaat.

Die Kommentierung erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von HistorikerInnen, TheologInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen, die in der Forschungsstelle eng zusammenarbeiten. Durch die wissenschaftlichen BeirätInnen ist dieses Fachspektrum in ebenfalls interdisziplinärer Zusammensetzung ebenfalls gewährleistet.

Texte

Die Texte werden vollständig nach editionsphilologisch erprobten Kriterien eingerichtet. Abgedruckt werden, soweit überliefert, erstens die von Gotthelf autorisierten Erstausgaben in Verbindung mit handschriftlichen Fassungen und späteren Überarbeitungen und zweitens Gotthelfs Bearbeitungen seiner Texte für den deutschen Buchmarkt, wie sie überwiegend im Verlag von Julius Springer erschienen sind.

Die Berücksichtigung sämtlicher Fassungen in ihrer originalen Gestalt ist ebenfalls ein Novum gegenüber früheren Ausgaben. Jeder Roman, respektive jede Werkabteilung wird mit einem umfassenden Einführungskommentar und Stellenerläuterungen versehen, welche die Entstehungsbedingungen und den geschichtlichen Kontext zugänglich machen. 

Ziele

Wir sehen eine besondere Herausforderung darin, die Ausstrahlung von Gotthelfs Reputation als Erzähler von Weltformat im gesamten deutschen Sprachraum zu erforschen und den Gründen für seine Erfolge und Popularität auch in Deutschland nachzugehen. Die HKG soll dazu beitragen, dass Gotthelf als Klassiker des 19. Jahrhunderts von Weltrang neben Gottfried Keller, Heinrich Heine, Adalbert Stifter und Annette von Droste-Hülshoff wahrgenommen wird, deren Werke in bedeutenden Editionen bereits erarbeitet worden sind oder jedenfalls bereits seit Jahrzehnten erarbeitet werden.

Ziel der Gotthelf-Edition ist es seit der Begründung gewesen, die nachhaltigste Lösung anzustreben, um Gotthelfs Werk dauerhaft und vollständig im kulturellen Gedächtnis Europas zu bewahren und für die Gegenwart kommentierend zu vermitteln. Dies vermag eine Ausgabe, welche die Grundlage für künftige Textausgaben ebenso zu bilden vermag wie sie die akademische Forschung anregt, weit mehr als eine rasch publizierte Textausgabe, die ohne nachhaltigen Einfluss auf Forschung und Schule bleiben muss.

Für wünschenswerte Schul- und Auswahleditionen ist zunächst eine philologisch fundierte Textgrundlage zu schaffen und Entstehungs- und internationale Wirkungsgeschichte der Gotthelf-Texte zu erschliessen. Dieser Aufgabe stellt sich die HKG.