Forschungsstelle Jeremias Gotthelf

Titelbild: Forschungsstelle Jeremias Gotthelf

Die Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Jeremias Gotthelf und weitere Projekte

Das Gesamtwerk von Albert Bitzius, der sich als Volksschriftsteller auch Jeremias Gotthelf nannte, wird an der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf erstmals in grösstmöglicher Vollständigkeit kritisch ediert. Die Edition stellt das zentrale Projekt der Forschungsstelle dar. Zugleich nutzen wir Synergien zu weiteren Forschungsthemen zur Schweizer Literatur, Kultur und Geschichte des 19. Jahrhunderts.

Die Forschungsstelle versteht sich als Institution der Erforschung der politischen, kultur-, literatur- und mediengeschichtlichen Kontexte, in denen das Werk von Jeremias Gotthelf entstand und auf welche es in vielfacher Weise bezogen ist und kommentierend wieder bezogen werden muss. So unterstützt die Forschungsstelle weitere Editionsvorhaben (etwa zum literarischen und publizistischen Werk von Alfred Hartmann) und sie ist am IFK Religious Conflicts And Coping Strategies der Universität Bern beteiligt.

Aktuell

Alfred Hartmann-Essay

Zur Vernissage der Neuedition von Alfred Hartmanns panoramatischem Roman "Meister Putsch und seine Gesellen" über die turbulenten 1840er-Jahre haben Patricia Zihlmann und Christian von Zimmermann den Roman in Vorträgen gewürdigt. Als Heft 6 in der "Kleinen Reihe" der Schriften der Zentralbibliothek Solothurn sind diese Vorträge nun in erweiterter Form erschienen.
Die Autorin und der Autor danken Verena Bider für die Aufnahme in die Reihe sowie Nationalrat und Stadtpräsident Kurt Fluri für ein Geleitwort.

01.05.19 Alfred Hartmann

Textband Vereinsschriften – Armennoth erschienen

„Die Schweiz ist das Land der Vereine“, erklärte Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf), als er im Dezember 1849 eine Vereinigung „der Dichter der Schweiz“ vorschlug. Der Volksschriftsteller engagierte sich seit seiner Studienzeit in Vereinen und schrieb auf Bitten eidgenössischer und deutscher Volksbildungsvereine mehrere Erzählungen und zwei Romane.
Seine Schriften zum Armenwesen (1838-1851) und zu den nationalen Schützenfesten von 1842 und 1844, Reden zu patriotischen Feiern sowie kurze Ansprachen vor lokalen Vereinen zeugen von sozialpolitischen Zielen, die Bitzius seit seiner Mitwirkung an der Berner Regeneration mit J. H. Zschokke, Ph. E. von Fellenberg und den für Schulwesen und Armenpflege Verantwortlichen teilte. Dabei strebte Bitzius nach direktem Wirken und konkreten Maßnahmen auf Gemeindeebene. So leitete er seit 1835 gemeinsam mit Gleichgesinnten im Bezirksverein für christliche Volksbildung eine Armenerziehungsanstalt. Dieser beauftragte ihn mit einer Werbeschrift für die Armenerziehung, angesichts der Sparsamkeit der Bauern keine leichte Aufgabe. Das Ergebnis, die „Armennoth“, ist zugleich Kampfansage an den Kinderverding und Erfolgsbericht der vom Kanton geförderten und bis 1872 bestehenden Trachselwalder Anstalt.
In seinen Festschriften für den schweizerischen Schützenverein (1842, 21844) appellierte Bitzius an das eidgenössische Nationalgefühl, in dem Bewunderung für die Tugenden der alten Helden und Treue zu traditionellen Werten zum Ausdruck kämen. Wenn sich alle patriotischen Vereine mit denen der Schützen überregional vereinigen würden, könnte „das Schützenfest zum eigentlichen königlichen Nationalfest“ werden. Opferbereitschaft für das Gemeinwesen forderte schon der Vikar an der Heiliggeistkirche als republikanische Pflicht. Vor dem Berner Burgerleist plädierte er für soziale Verantwortung. Der Leist möge sich an der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft orientieren, weil sie Volksbildung und Armenpflege verbessern wollte.
Nicht nur die Edition von Gotthelfs Manuskriptfassungen, sondern erstmals die synoptische Darstellung verschiedener Druckauflagen macht sein Streben nach optimaler Wirkung seiner politischen Ideen sichtbar.
Der Band wurde von Dr. Silvio Raciti in Zusammenarbeit mit Barbara Berger herausgegeben.

08.03.19 Jeremias Gotthelf

Gotthelf und die Personalität von Tieren

Einen bislang wenig beachteten Aspekt im Werk von Jeremias Gotthelf hat Dr. Julia Eva Wannenmacher zum Thema Ihrer Studie "Vom Symbol zum Individuum: Tiere im Werk von Jeremias Gotthelf" gemacht. Sie skizziert unterschiedliche ‘Tierfiguren’ im Werk und zeichnet dabei Gotthelf tierschützerisches Engagement auf: "Es ist sicher zutreffend, Bitzius alias Gotthelf als einen Vorkämpfer der ersten Tierschutzgesetze in der Schweiz anzusehen." Weit über Tierschutzgesetze hinaus zeigt sich aber bei Gotthelf im Ansatz auch Verständnis für die Eigenständigkeit und Eigenpersönlichkeit von Tieren. Mit Augenzwinkern wird mitgeteilt, Gotthelf sei ein Vorläufer Derridas, wenn es darum geht, dass die Person des Tieres den Menschen blossstellen und beschämen kann.
Die lesenswerte Studie ist soeben im Themenheft "Über LiteraTier" der Zeitschrift "literatur für leser" erschienen (39. Jahrgang, 206, Heft 3 [gedruckt 2018]).

01.09.18 Jeremias Gotthelf Animal Studies
02.05.18 Religious Conflicts And Coping Strategies
23.03.18 Jeremias Gotthelf Digitale Editorik Digital Humanities

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